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Hallo Allerseits, ich begrüße hier an dieser Stelle vor allem die 2,7%, die mir am Sonntag das Vertrauen ausgesprochen haben und bedanke mich für Ihren Mut, schön, dass Sie mich gewählt haben! Ansonsten muss ich natürlich sagen, war das Ergebnis eine Ernüchterung. Nicht nur für mich, vor allem natürlich für die Landes-FDP. Aber sind wir ehrlich, wen wunderts?

Die FDP hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem und ich kann es niemandem verdenken. Es ist unglaublich schade für die liberale Idee, die hat nämlich wirklich was für sich. Wir sind freiheitsliebend und nehmen die Hand des Staates am liebsten nur dann in Anspruch, wenn wir wirklich ins Straucheln geraten – ansonsten lassen wir jeden leben, wie er gerne leben möchte, so lange er niemanden anderes gefährdet. Wir übernehmen Verantwortung für uns und unser Handeln. So einfach ist die liberale Idee, und so schnell verschwindet sie unter Bergen von persönlichen Interessen, Lobbisten und Mauscheleien.

Die Katastrophe in Japan hat all denen Rückenwind gegeben, die schon seit langem den Atomausstieg fordern. Auch innerhalb der FDP gibt es eine Vielzahl von Menschen, die einen Ausstieg aus der Atomkraft fordern, nun ist die Chance groß, dass man ihre Stimme besser hört, als das bislang der Fall war.

Jetzt aber hinzugehen und die Einbrüche bei den Stimmen nur auf das Geschehen in Japan zu schieben, ist meines Erachtens Augenwischerei und führt nicht dazu, sich ernsthaft mit den Gründen für unser schlechtes Abschneiden auseinanderzusetzen. Ich werte die ersten Reaktionen in der Presse denn auch als verzweifelten Versuch, sich die Situation irgendwie schönzureden, sich als Opfer der Umstände zu identifizieren, damit man sich nicht der Realität stellen muss.

Die Realtität ist, dass uns die Wähler 2009 einen großen Vertrauensbeweis gegeben hatten. Sie haben an der liberalen Idee Gefallen gefunden und an dem, was wir ihnen zugesagt hatten. In Berlin ist das gründlich in die Hose gegangen, denn von unseren Zusagen ist bislang nicht wirklich etwas in die Tat umgesetzt worden, statt dessen machten wir vorwiegend durch kleine und größere Patzer auf uns aufmerksam. Die Zahl der Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten ist lang und es macht wenig Sinn, sie jetzt noch einmal zu wiederholen, das hat die Presse ausführlich und eindrucksvoll getan.

Als es immer mehr auf die Landtagswahl zuging, war denn auch für die Liberalen im Land die Herausforderung, eine Legislatur, in der wir hier in Rheinland-Pfalz solide, aber wenig aufsehenerregend gearbeitet haben, entsprechend darzustellen, so dass den Wählerinnen und Wählern unsere Arbeit erkennbar und sichtbar wird.
In der allgemeinen Aufregung rund um Wahlen gehört natürlich auch Klappern zum Geschäft – dass sich die Zeiten für die Liberalen nicht gerade rosig darstellten, war klar, und ich gehörte zu jener Gruppe von Menschen, die nach neuen Gesichtern riefen, nach neuen Themen, nach einer neuen Art, Wahlkampf zu machen.

Daraus wurde nichts. Und aus dem Wiedereinzug wurde dann auch  nichts.

Nun sitzen wir alle vor den Ergebnissen und fragen uns natürlich, woran es gelegen haben mag und wie wir weitermachen sollen, nachdem der Traum vom Einzug in den Landtag geplatzt ist. Meine Empfehlung:

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Man kann das Ergebnis sehen wie man will. Für diejenigen, die ihr Leben auf einen Platz im Landtag abgestimmt haben, stellt sich jetzt natürlich die profane Frage, wovon man in der kommenden Zeit leben will.

Für alle anderen, und das ist definitiv die Mehrheit, ist dieses Ergebnis eine Chance. Eine Chance, Bewegung in die zutiefst angestaubte FDP Rheinland-Pfalz zu bringen, alte Seilschaften zu kappen, das Geflecht aus “Hilfst Du mir, helf ich Dir” aufzubrechen und uns wieder auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Eine Idee zu entwickeln, wie wir unser Land nach vorne bringen wollen, wie wir uns zukünftig zu Fragen wie Wirtschaft, Verkehr, Bildung und Energie stellen.

Welchen Menschen wir dafür intern unser Vertrauen ausprechen, steht auf einem anderen Blatt. Sicher wird es in den kommenden Wochen unruhig werden und sicher wird es die eine oder andere personelle Veränderung geben. Alles sollte jedoch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass es hier um Rheinland-Pfalz, seine Bürgerinnen und Bürger und eine Idee geht, die auch nach mehr als hundert Jahren nichts von ihrer Qualität und Genialität verloren hat.

Und dann, aber wirklich nur dann, können wir ernsthaft sagen: “Wir haben verstanden”!

In diesem Sinne, Ihre Jutta Schützdeller

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